APEX RACEWIRE Redaktion
Tradition und Tribut: Colton Herta über die Geschichte seines F2-Helmdesigns 2026
Hitech-Pilot Colton Herta spricht über das 90er-Jahre-Design seines Vaters Bryan und die Hommage an Dan Wheldon, die ihn durch seine Formel-2-Saison begleitet.
Von Lesley Bakker - 2026-08-18 00:00:00.000 - 4 Min. Lesezeit
Der Helm von Colton Herta gehört in dieser Saison zweifellos zu den markantesten Erscheinungen im Formel-2-Feld. Statt auf die verspielten, hyperstilisierten Trends des modernen Nachwuchs-Paddocks zu setzen, bleibt der Hitech-Pilot einer visuellen Identität treu, die in Familiengeschichte und persönlichen Erinnerungen wurzelt. Das Herzstück des Layouts bildet eine direkte Weiterentwicklung jenes Farbschemas, mit dem sein Vater Bryan Herta in den 1990er-Jahren antrat.
Um das Design in die Gegenwart zu übertragen, brauchte es nur feine Anpassungen, die den Linien einen modernen Schliff gaben, ohne den Geist des Originals zu verwässern. Stellt man den Helm neben das historische Modell seines Vaters, bleiben die grundlegende Geometrie und die markanten Merkmale unverkennbar. Die Farbpalette setzt auf ein kräftiges Rot-Weiß-Blau, wenngleich die Töne etwas dunkler ausfallen als die helleren Nuancen aus der IndyCar-Karriere seines Vaters.
Während das Zusammenspiel aus Farben und Sternenmustern unweigerlich an die US-Flagge erinnert, betont Herta, dass diese Ähnlichkeit organisch gewachsen sei und nicht auf einer bewussten patriotischen Vorgabe basiere. Die Zierleisten und Ränder seines Helms passt er zwischen den Rennwochenenden immer wieder an, statt sie strikt weiß zu belassen. So schafft er subtile visuelle Akzente rund um das Basisdesign, während das ikonische Fundament unverändert bleibt.
Ein weiteres feines Relikt vergangener Vorlieben verbirgt sich an der Rückseite des Helms, wo noch immer ein dezentes Wabenmuster zu erkennen ist. Herta räumt ein, dass er früher ein großer Verfechter von Wabenstrukturen war, den Effekt inzwischen aber als etwas unzeitgemäß empfindet und ihn zugunsten einer klareren, zeitloseren Oberfläche deutlich zurückgenommen hat.
Auch moderne kommerzielle Verpflichtungen haben die Frontansicht seines Helms für 2026 dezent geprägt. Der prominente Cadillac-Schriftzug an der oberen Visierkante fügt der ansonsten reduzierten Komposition ein zusätzliches Element hinzu. Auch wenn Herta eine minimalistische Ästhetik bevorzugt, sieht er in der Integration von Partnerwünschen einen selbstverständlichen Kompromiss, der das Gesamtbild dennoch scharf und stimmig wirken lässt.
Abseits der Familienästhetik sticht das berührendste Detail am Heck des Helms hervor: Dort ist die Startnummer 98 mit dem Union Jack kombiniert. Obwohl Herta keine direkten persönlichen Wurzeln in Großbritannien hat, entschied er sich ganz bewusst für die britische Flagge, um dem verstorbenen Dan Wheldon die Ehre zu erweisen — auf die Weise, die ihm am bedeutungsvollsten erschien.
Der Tribut knüpft direkt an Wheldons emotionalen Sieg beim Indianapolis 500 im Jahr 2011 an, den dieser am Steuer der Startnummer 98 für Bryan Herta Autosport feierte. Jener bemerkenswerte Triumph markierte zugleich Wheldons letzten großen Rennsieg. Für den jüngeren Herta ist das Tragen dieser speziellen Kombination aus Nummer und Flagge ein zutiefst persönlicher Weg, das Andenken an einen engen Freund der Familie auf der Rennstrecke lebendig zu halten.
Das Aufwachsen im US-amerikanischen Paddock hat bei Herta bleibende Spuren hinterlassen. Er war umgeben von einer Fahrerriege, die damals oft als Superteam bezeichnet wurde: Bryan Herta, Dan Wheldon, Dario Franchitti und Tony Kanaan. Da diese Piloten regelmäßig an der Seite seines Vaters fuhren, fieberte der junge Herta an den Rennwochenenden ganz selbstverständlich mit ihnen mit und baute eine enge Bindung zu Wheldon auf, die seine Kindheit nachhaltig prägte.
Diese emotionale Verbindung hat bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren, während die Familie Wheldon nun eigene Spuren im Motorsport hinterlässt. Herta zeigte sich aufrichtig begeistert darüber, wie Dans Witwe Susie und die beiden Söhne ihre Motorsportambitionen in Programmen in Europa und den USA vorantreiben. Für ihn verleiht das seinem Tribut im Rahmen seiner eigenen internationalen Saison eine noch tiefere Bedeutung.
Anders als viele seiner Generationskollegen, die ihre Helmdesigns fortlaufend wechseln, setzt Herta auf langfristige Kontinuität statt häufiger Sondereditionen. Die bemerkenswerteste Ausnahme der jüngeren Vergangenheit gab es beim Saisonfinale 2024 in Nashville, wo er den Sieg in einem einmaligen, dunklen Farbschema aus Schwarz, Gelb, Grau und Weiß holte — passend zur Lackierung seines Autos.
Zwar könnten künftige Einsätze, darunter mögliche Renneinsätze für Cadillac, gelegentlich maßgeschneiderte Sonderlackierungen erfordern, um sich an bestimmte Fahrzeugdesigns anzupassen, doch an seinem Standardlook hält Herta unbeirrt fest. Die beständige Verbindung zur Karriere seines Vaters und die Hommage an Wheldon stellen sicher, dass das klassische Design das wahre Fundament seiner fahrerischen Identität bleibt.